Bundesamt für Naturschutz

Hauptbereichsmenü



Landschaftsschutzgebiete

Landschaftsschutzgebiete (LSG) sind rechtsverbindlich festgesetzte Gebiete, in denen nach § 26 Abs. 1 BNatSchG "ein besonderer Schutz von Natur und Landschaft erforderlich ist.

  1. zur Erhaltung, Entwicklung oder Wiederherstellung der Leistungs- und Funktionsfähigkeit des Naturhaushaltes oder der Regenerationsfähigkeit und nachhaltigen Nutzungsfähigkeit der Naturgüter,
  2. wegen der Vielfalt, Eigenart und Schönheit oder der besonderen kulturhistorischen Bedeutung der Landschaft oder
  3. wegen ihrer besonderen Bedeutung für die Erholung."

Überblick

Quelle: Bundesamt für Naturschutz (BfN), 2017 nach Angaben der Länder, Geobasisdaten: © GeoBasis-DE/BKG 2015
Karte Landschaftsschutzgebiete in Deutschland

Die Grundidee der Schutzgebietskategorie "Landschaftsschutzgebiet" ist bereits im § 5 des Reichsnaturschutzgesetzes von 1935 verankert gewesen. Das Landschaftsschutzgebiet als eigenständige Schutzgebietskategorie existiert jedoch erst seit der Einführung des § 15 Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) im Jahr 1976. Im internationalen Kategoriensystem der IUCN entspricht das Landschaftsschutzgebiet in der Regel der Kategorie V (geschützte Landschaft). Im vergleich zu anderen Schutzgebietskategorien besitzt es eine eher geringe Schutzintensität. Aufgrund ihrer Vielzahl und teils beachtlicher Größe von bis zu 233.000 Hektar (LSG "Bayerischer Wald") haben Landschaftsschutzgebiete jedoch eine wichtige Bedeutung im deutschen Schutzgebietssystem (s. Karte). Zudem können durch die Ausweisung von Landschaftsschutzgebieten von menschlicher Nutzung gesprägte Landschaftsräume erhalten werden, die für Naturschutz und Landschaftspflege von Bedeutung sind, aber nicht die oftmals strengeren Voraussetzungen eines Naturschutzgebietes erfüllen.

Anzahl und Flächen der Landschaftsschutzgebiete

In Deutschland gibt es 8.598 (Stand 31.12.2015) Landschaftsschutzgebiete, die eine Gesamtfläche von 9,9 Millionen Hektar aufweisen. Sie erstrecken sich damit auf 27,7 % der Fläche Deutschlands. Überdurchschnittlich hohe Anteile von Landschaftsschutzgebieten an der jeweiligen Landesfläche befinden sich in Nordrhein-Westfalen und im Saarland. Geringe Anteile gibt es in den Bundesländern Hessen, Berlin und Schleswig-Holstein. Die jeweiligen Gebietsgrößen der einzelnen Landschaftsschutzgebiete unterscheiden sich jedoch stark, da es bezüglich der Größe der Flächen keine Mindest- oder Höchstgrenzen gibt.

Anzahl und Flächen der Landschaftsschutzgebiete (LSG) in den einzelnen Bundesländern (Stand: 2015)
Bundesland Landesfläche in Hektar Anzahl der LSG Fläche der LSG in Hektar Anteil an der Landesfläche in Prozent
Baden-Württemberg 3.575.147 1.450 812.136 22,7
Bayern 7.055.157 703 2.120.448 30,1
Berlin 89.102 55 11.984 13,4
Brandenburg 2.947.973 114 1.017.627 34,5
Bremen 40.428 12 3.182 7,9
Hamburg 75.516 36 14.752 19,5
Hessen 2.111.469 125 215.641 10,2
Mecklenburg-Vorpommern 2.318.238 144 722.650 28,7
Niedersachsen 4.764.110 1.267 1.022.237 21,5
Nordrhein-Westfalen 3.408.597 3.660 1.415.432 41,5
Rheinland-Pfalz 1.985.336 109 535.962 27,0
Saarland 256.840 325 101.683 39,6
Sachsen 1.841.710 181 575.949 31,3
Sachsen-Anhalt 2.044.631 84 686.187 28,2
Schleswig-Holstein 1.579.957 279 233.464 14,8
Thüringen 1.617.214 54 418.492 25,9
Deutschland 35.711.425 8.598 9.907.826 27,6

Schutzgegenstand

Landschaftsschutzgebiete schützen nicht nur Naturlandschaften, sondern dokumentieren und sichern auch Kulturlandschaften, also land- und forstwirtschaftlich genutzte Gebiete, unter historischen und denkmalpflegerischen Aspekten. Auch bebaute Flächen können in Landschaftsschutzgebiete miteinbezogen werden, wenn diese trotz Bebauung noch als Teil der umgebenden schützenswerten Umgebung angesehen werden können. Beispielsweise können Gehöfte und Streusiedlungen relativ unproblematisch miteinbezogen werden, nicht aber geschlossene Bebauung. Als Instrument des Flächenschutzes soll das LSG Landschaftszusammenhänge und das Landschaftsbild erhalten, eine einheitliche Strukturierung der Landschaft ist jedoch für die Ausweisung nicht erforderlich.

Ausweisungsgründe

Die Ausweisung als Landschaftsschutzgebiet kann aus ökologischen ("Erhaltung, Entwicklung oder Wiederherstellung der Leistungs- und Funktionsfähigkeit des Naturhaushaltes oder der Regenerationsfähigkeit und nachhaltigen Nutzungsfähigkeit der Naturgüter") oder ästhetischen Gründen ("Vielfalt, Eigenart und Schönheit der Landschaft") oder aufgrund der kulturhistorischen Bedeutung (wenn geschichtliche Entwicklungen die Landschaft geprägt haben) oder zu Erholungszwecken erfolgen (vgl. § 26 Abs. 1 BNatSchG). Es müssen nicht alle drei Schutzzwecke zugleich, aber mindestens einer der im BNatSchG genannten Schutzzwecke erfüllt sein. Landschaftsschutzgebiete werden in der Regel durch Rechtsverordnung der Naturschutzbehörden ausgewiesen.

Schutzziel und Schutzzweck

Ziel der Landschaftsschutzgebiete ist der Schutz von Landschaften sowohl unter naturwissenschaftlich-ökologischen als auch kulturell-sozialen Gesichtspunkten. Dabei soll die Landschaft in ihrer vorgefundenen Eigentümlichkeit und Einmaligkeit erhalten werden. In der Praxis bedeutet das, dass die Leistungsfähigkeit des Naturhaushaltes abgesichert und die Regenerations- und Nutzungsfähigkeit der Naturgüter erhalten oder wiederhergestellt wird. Weiterhin sollen Landschaftsschutzgebiete auch als visuell ansprechender Erholungsraum dienen. Durch die Ausweisung von LSG kann auch weiterem Flächenverbrauch durch Siedlungen, Industrie und Infrastrukturmaßnahmen Einhalt geboten werden.

Schutzintensität

Die meisten Landschaftsschutzgebiete beinhalten kaum Einschränkungen in der Nutzung oder Zugänglichkeit, da lediglich der Gesamtcharakter des Gebietes erhalten werden soll. Verboten sind deshalb insbesondere die Handlungen, die den Gesamtcharakter des Gebietes verändern; dies betrifft insbesondere die Bebauung. Eine ordnungsgemäße Land-, Forstwirtschaft und Jagd ist zulässig, wenn sie nicht den Schutzwecken des § 26 Abs. 1 BNatSchG zuwiderläuft. Teilweise ist eine Bewirtschaftung sogar notwendig, um den Kulturlandschaftscharakter zu erhalten. So dürfen, je nach Verordnung, keine prägenden Landschaftselemente, beispielsweise eine das Landschaftsbild beeinflussende Hecke, verändert oder beseitigt werden, wohl aber kann die Fällung einzelner Gehölze möglich sein. Obwohl das Landschaftsschutzgebiet häufig als Schutzgebietskategorie mit keiner besonders hohen Schutzwirkung angesehen wird, können diese in Abhängigkeit von der Verordnung in ihrer Schutzintensität bis an das Schutzniveau eines Naturschutzgebietes heranreichen.

Unterschied zwischen Landschaftsschutzgebiet und Naturschutzgebiet

Gegenüber den Naturschutzgebieten sind Landschaftsschutzgebiete in der Regel großflächiger und mit geringeren Nutzungseinschränkungen verbunden. Auch sind die Voraussetzungen für die Ausweisung eines Landschaftsschutzgebietes geringer als für die eines Naturschutzgebietes. Landschaftsschutzgebiete nehmen häufig eine Pufferfunktion für Naturschutzgebiete ein. Weiterhin unterscheiden sich die beiden Schutzgebietskategorien hinsichtlich ihrer Schutzintention: Das Naturschutzgebiet zielt auf den Schutz einer wenig vom Menschen überprägten Landschaft ab, das Landschaftsschutzgebiet hingegen soll kultivierte, vom Menschen genutzte Natur schützen. In Naturschutzgebieten wird daher versucht, menschliche Einflüsse möglichst einzuschränken, in Landschaftsschutzgebieten hingegen ist die grundsätzliche Zugänglichkeit ein wesentliches Merkmal.

Literatur

Bundesamt für Naturschutz (2016): Daten zur Natur 2016. - Bonn, S.102-103.

Dietmann, T. (1991): Studie über Wirksamkeit von Landschaftsschutzgebietsverordnungen. - Schriftenreihe des Bayerischen Landesamtes für Umweltschutz - 96, München, S. 5 - 16 und 37 - 82.

Dietrich, B. (2010): Eine Systematisierung der Schutzgebietskategorien des Bundesnaturschutzgesetzes nach landschaftsökologischen Kriterien. - Verlag Dr. Kovač, Hamburg, S. 97-101.

Gerhard, M., Hövelmann, T., Krüsemann, E., Stenzel, M. (2008): Gebietsschutz und Artenschutz. In: Naturschutzbund Deutschland Landesverband NRW e.V. (Hrsg.), Handbuch Verbandsbeteiligung Nordrhein-Westfalen - Band I. - Düsseldorf, Kapitel G, S. 34-37.

Jedicke, E. (2016): Schutzgebietskategorien und ihre Ausweisung. In: Riedel, W., Lange, H., Jedicke, E., Reinke, M. (Hrsg.): Landschaftsplanung. - Springer Reference Naturwissenschaften, Berlin-Heidelberg, 279-294.

Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt (2000): Die Landschaftsschutzgebiete Sachsen-Anhalts. - Magdeburger Druckerei GmbH, S. 9-11.

Leicht, H. (1991): Fachliche Gesichtspunkte zur Verbesserung des Instrumentariums Landschaftsschutzgebiet (LSG). - Schriftenreihe des Bayerischen Landesamtes für Umweltschutz - 96, München, S 17 - 36.

Schmidt-Räntsch, J. (2000): Bundesnaturschutzgesetz Kommentar. - Verlag C.H. Beck, S. 476-490.

Schumacher, J., Fischer-Hüftle, P. (2010): Bundesnaturschutzgesetz Kommentar. - Kohlhammer, Stuttgart, S. 412-425.

Tolkmitt, D. (2002): Die Leistungsfähigkeit des naturschutzrechtlichen Schutzgebietssystems des Bundes unter besonderer Beachtung ökologischer Schutzziele. - Dissertation Universität Hannover, S. 156-187.

Letzte Änderung: 08.06.2017

 Artikel drucken