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Das Schutzgebiet Adlergrund


 Transkript des Videos zum Adlergrund

Das rund 234 km² große Schutzgebiet Adlergrund umfasst die flachsten Stellen der Rönnebank, also deren Kuppe. Es setzt sich aus einer großen Sandplatte mit zentral gelegenen, blocksteinreichen Erhebungen aus Geschiebemergel zusammen. Hier liegen die größten und am höchsten unter die Wasseroberfläche aufragenden Flächen mit Riffen in der deutschen AWZ der Ostsee. Die Schutzgebietsabgrenzung erfolgte nach dem Vorkommen und der Ausprägung der Lebensraumtypen „Sandbänke“ und „Riffe“, in Wassertiefen von 7 m bis 35 m.


Fakten zum Adlergrund ( FFH -Gebiet)
Steckbrief  Adlergrund
EU-Code: DE 1251-301
Lage (Gebietsmittelpunkt):
 14°15'00" E 54°45'00" N
Lebensraumtypen Sandbänke ca. 87 km²
Riffe ca. 110 km²
Arten/Anzahl Schweinswal
(Phocoena phocoena)    
> 10
Kegelrobbe
(Halichoerus grypus)
nachgewiesen, z.Zt. keine Bestandszahlen

Seehase am Adlergrund

Miesmuscheln auf Blocksteinen

Miesmuscheln auf Blocksteinen und Sand. Foto: Hübner/Krause (BfN)
Miesmuscheln auf Blocksteinen und Sand. Foto: Hübner/Krause (BfN)
Rotalgen (Rhodophyceae) überwachsen Miesmuscheln (Mytilus edulis). Foto: Hübner/Krause (BfN)
Rotalgen (Rhodophyceae) überwachsen Miesmuscheln (Mytilus edulis). Foto: Hübner/Krause (BfN)

In den flachen Bereichen bis etwa 10 m Tiefe besiedeln Großalgen wie Sägetang, Meersaite und Gabeltang die Riffe.

An den tiefer gelegenen Flanken (10 bis 20 m Tiefe) dominiert die Miesmuschel. Sie siedelt dort auf den Blocksteinen und bildet Miesmuschelbänke auf den Sandflächen.

Miesmuscheln sind Wunderwerke der Natur. Über ihre feinen Kiemenblätter entnehmen sie dem Atemwasserstrom nicht nur den lebensnotwendigen Sauerstoff, sondern auch Planktonorganismen und Detritus zur Ernährung. Von einer 3cm langen Miesmuschel wird pro Stunde etwa 1 Liter Wasser durch die Kiemen geleitet. Dabei werden die mitgeführten Partikel von kleinen Sperrwimpern zurückgehalten. Nahrungspartikel werden dem Mund zugeleitet, anorganische Schwebstoffe werden am hinteren oberen Winkel der Einströmöffnung wieder ausgeschieden.

Auch die Bodentiergemeinschaften in den Arealen des Lebensraumtyps „Sandbänke“ werden von verschiedenen Muschelarten geprägt. Charakteristische Arten der sandigen Zone tiefer als 20 m sind zum Beispiel Baltische Tellmuschel (Rote Bohne), Sandklaffmuschel und Herzmuschel sowie verschiedene seltene Asseln und Flohkrebs-Arten (Bathyporeia pilosa, Pontoporeia femorata, Saduria entomon).


Aalmutter (Zoarces viviparus). Foto: Hübner/Krause (BfN)
Aalmutter (Zoarces viviparus). Foto: Hübner/Krause (BfN)

Die Muschelgemeinschaften der Riffe und Sandbänke bilden eine wichtige Nahrungsgrundlage für überwinternde Meeresenten, v.a. Eis- und Samtenten. Darüber hinaus hat das Gebiet eine wichtige Funktion als Ausgangspunkt für eine Wiederbesiedlung der tieferen Umgebung mit Benthosarten nach episodisch auftretenden Massensterben infolge von Sauerstoffmangelerscheinungen.

Als weitere Anhang II-Arten der FFH -Richtlinie wurden Schweinswale und Kegelrobben im Gebiet nachgewiesen und werden deshalb mitgeschützt. Sie durchwandern das Schutzgebiet und nutzen es vermutlich als Nahrungsgrund. Das Vorkommen von Schweinswalen am Adlergrund wurde im Rahmen der wissenschaftlichen Untersuchungen 2002 bis 2003 das erste Mal sicher dokumentiert. Genauere Angaben, beispielsweise auch zu Erhaltungs- und Wiederherstellungszielen oder der genauen Funktion des Gebietes für die jeweilige Art, können daher zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht abschließend angegeben werden.

Schutz- und Erhaltungsziele

Für die abgrenzungsrelevanten Lebensraumtypen und Tierarten wurden allgemeine Schutz- und Erhaltungsziele festgelegt.

  • Erhaltung und Wiederherstellung der spezifischen ökologischen Funktionen, der biologischen Vielfalt und der natürlichen Hydrodynamik des Gebietes;
  • Ggf. Wiederherstellung der Naturnähe der durch frühere Sedimententnahmen überformten Gebiete;
  • Erhaltung und Wiederherstellung eines günstigen Erhaltungszustandes der Lebensraumtypen „Sandbänke mit nur schwacher ständiger Überspülung durch Meerwasser“  Code 1110 und „Riffe“  Code 1170 mit ihren charakteristischen und gefährdeten Lebensgemeinschaften und Arten;
  • Erhaltung und Wiederherstellung eines günstigen Erhaltungszustandes folgender FFH -Arten und ihrer Habitate: Schweinswal (u.a. durch ASCOBANS Recovery Plan of Harbour Porpoise in the Central Baltic) und Kegelrobbe.

Eisenten (Clangula hyemalis) finden hier viel Nahrung. Foto: S-E. Arndt
Eisenten (Clangula hyemalis) finden hier viel Nahrung.  Foto: S-E. Arndt
Felsgarnele (Palaemon elegans) auf Muscheln. Foto: Hübner/Krause (BfN)
Felsgarnele (Palaemon elegans) auf Muscheln.  Foto: Hübner/Krause (BfN)

Natura 2000-Gebiete in der AWZ der deutschen Ostsee:

 

 Ostsee

 Fehmarnbelt

 Kadetrinne

Adlergrund

 Westl. Rönnebank

 Oderbank

 Pommersche Bucht