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Das Schutzgebiet Sylter Außenriff


 Transkript des Videos zum Sylter Außenriff

Am Sylter Außenriff, einem Schutzgebiet mit besonderer Größe und hoher Artenvielfalt, wechseln nahrungsreiche Sandbänke mit für die Nordsee geradezu farbenprächtigen Riffen. Zahlreiche Fischarten, seltene und bedrohte Seevögel und Meeressäugetiere haben hier ihren Lebensraum. Das etwa 5.314 km² umfassende Schutzgebiet mit nach Westen abfallenden Wassertiefen von 8 m bis 48 m beinhaltet die Sylt-Amrumer Außengründe und die nordöstlichen Flanken des Elbe-Urstromtales. Die Abgrenzung erfolgte vor allem nach den Verbreitungsschwerpunkten der Schweinswale sowie den Vorkommen der Lebensraumtypen „Sandbänke“ und „Riffe“.


Fakten zum Sylter Außenriff ( FFH -Gebiet)
Steckbrief  Sylter Außenriff
EU-Code: DE 1209-301
Lage (Gebietsmittelpunkt):
 7°20’00" E 54°55’00" N
Lebensraumtypen Sandbänke 87km²
Riffe 154km²
Arten/Anzahl Schweinswal
(Phocoena phocoena)    
1.001-10.000
Seehund
(Phoca vitulina)
1.001-10.000
Kegelrobbe
(Halichoerus grypus)
11-50
Flussneunauge
(Lampetra fluviatilis)
nachgew., z.Zt. keine Bestandszahlen
Finte
(Alosa fallax)
nachgew., z.Zt. keine Bestandszahlen

Sandbänke und Riffe im wechsel

Seeigel (Echinus esculentus)und Seeanemonen. Foto: Hübner/Krause (BfN)
Seeigel (Echinus esculentus) und Seeanemonen. Foto: Hübner/Krause (BfN)

Die Amrumbank ist eine repräsentative Sandbank, die durch eine hohe Biotop- und Habitat-Vielfalt gekennzeichnet ist, mit grobsandigen bis kiesigen und feinsandigen Bereichen. Dementsprechend haben sich verschiedene typische Lebensgemeinschaften der Bodentiere entwickeln können.

Charakteristisch für die Amrumbank sind die Grobsandgemeinschaften wie:

  • Goniadella Spisula (Knäuelwurm-Trogmuschel)
  • Gemeinschaft und Feinsandgemeinschaften wie Tellmuschel (Tellina fabula)
  • Gemeinschaft mit langlebigen Muschelarten.

Die Riffe im Schutzgebiet gelten als einmalig in den küstenfernen Gebieten der deutschen Nordsee. Sie ziehen sich als bandartige Steinfelder entlang der Flanken des Elbe-Urstromtales. Darüber hinaus durchdringen Blöcke und Steinfelder wie ein Fenster die sandigen Flächen u.a. auch im zentralen Bereich der Amrumbank. Charakteristisch sind hartsubstrat-typische Epifauna-Gemeinschaften mit Arten wie Seenelke, Essbarer Seeigel, Tote Mannshand sowie Seescheiden, Blättermoostierchen und Schwämmen.

Besonderer Bedeutung für Schweinswale

Schweinswal (Phocoena phocoena) mit Kalb. Foto: S. Gust
Schweinswal (Phocoena phocoena) mit Kalb. Foto: S. Gust
Tauchende Kegelrobbe (Halichoerus grypus) Foto: S. Bär
Tauchende Kegelrobbe (Halichoerus grypus). Foto: S. Bär

Von besonderer Bedeutung ist das Schutzgebiet für Schweinswale: hier wurden die höchsten Konzentrationen von Schweinswalen in der gesamten deutschen Nordsee nachgewiesen, wodurch das Gebiet eine zentrale Bedeutung für die Erhaltung dieser Art hat. Regelmäßige Sichtungen von Mutter-Kalb-Paaren und Konzentrationen mit bis zu 50 Tieren innerhalb einer Sichtungsdauer von 10 min. (sogenannte „hot spots“) belegen, dass das Gebiet eine wichtige Rolle als Kalbungs- und Paarungshabitat spielt. Das Sylter Außenriff grenzt direkt an das Schweinswal-Schutzgebiet westlich vor Sylt, dem bisher einzigen Walschutzgebiet in der Nordsee. Die hohen Schweinswaldichten lassen auch Rückschlüsse auf gute Vorkommen potenzieller Beutefische zu.

Darüber hinaus nutzen Seehunde und Kegelrobben das Gebiet als Nahrungshabitat bzw. durchschwimmen es auf dem Weg von ihren Fressplätzen zu ihren Ruhe- und Reproduktionsplätzen. Kegelrobben nutzen derzeit nur die Knobsände vor Amrum und Helgoland als Fortpflanzungsgebiete. Aufgrund der saisonal stark schwankenden Bestandszahlen ist davon auszugehen, dass ein starker Austausch mit Tieren von anderen Liegeplätzen und Kolonien rund um die Nordsee, zum Beispiel aus Großbritannien, besteht. Dem Schutz geeigneter Migrationskorridore kommt daher eine hohe Bedeutung zu.

Als weitere Anhang II-Arten der FFH -Richtlinie werden im Gebiet Finten und Flussneunaugen mitgeschützt, die hier wichtige marine Habitate für die Nahrungssuche und Überwinterung finden.


Köpfchenpolyp (Tubularia larynx) Foto: Hübner/Krause (BfN)
Köpfchenpolyp (Tubularia larynx) Foto: Hübner/Krause (BfN)
Tote Mannshand (Alcyconium digitatum) Foto: Hübner/Krause (BfN)
Tote Mannshand (Alcyconium digitatum) Foto: Hübner/Krause (BfN)

Schutz- und Erhaltungsziele

Für die abgrenzungsrelevanten Lebensraumtypen und Tierarten wurden allgemeine Schutz- und Erhaltungsziele festgelegt:

  • Erhaltung und Wiederherstellung der spezifischen ökologischen Funktionen, der biologischen Vielfalt und der natürlichen Dynamik des Gebietes;
  • Erhaltung und Wiederherstellung eines günstigen Erhaltungszustandes der Lebensraumtypen „Sandbänke mit nur schwacher ständiger Überspülung durch Meerwasser“  Code 1110 und „Riffe“  Code 1170 mit ihren charakteristischen und gefährdeten Lebensgemeinschaften und Arten;
  • Erhaltung und Wiederherstellung eines günstigen Erhaltungszustandes folgender FFH -Arten und ihrer Habitate: Schweinswal, Seehund, Kegelrobbe, Flussneunauge und Finte.

Einsiedlerkrebs (Pagurus bernhardus) Foto: BfN
Einsiedlerkrebs (Pagurus bernhardus) Foto: BfN
Leierfisch (Callionymus lyra) Foto: BfN
Leierfisch (Callionymus lyra) Foto: BfN

Natura 2000-Gebiete in der AWZ der deutschen Nordsee:

 

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Sylter Außenriff

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 Östliche Deutsche Bucht