Bundesamt für Naturschutz

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Ökonomische Effekte von Tourismus in Großschutzgebieten


Schutzgebiete ziehen Gäste an: Nationalpark Hainich (Bildautorin B. Engels)

Im Rahmen des F&E-Vorhabens "Ökonomische Effekte von Tourismus in Großschutzgebieten" wurde eine Methode zur Quantifizierung touristisch induzierter regionalökonomischer Effekte in Großschutzgebieten (GSG) erarbeitet.

In einer aktuellen Studie für die deutschen Nationalparke wurde die Bedeutung des Tourismus für die jeweilige regionale Wirtschaft bestimmt. Dies stellt sich im Gesamtergebenis wie folgt dar: Pro Jahr besuchen ca. 53 Millionen Menschen die deutschen Nationalparke und bewirken damit einen Bruttoumsatz von rund 2,8 Milliarden Euro. Dies entspricht etwas mehr als 85.000 Arbeitsplätzen, die vom Tourismus in Nationalparken abhängig sind. 28 Prozent der Besucherinnen und Besucher sind "Nationalparktouristen im engeren Sinne". Für sie ist das Schutzgebiet ein wichtiger Grund für den Aufenthalt in der Region.

Die Studie: Nationalparke

Die Ergebnisse der Studie belegen, dass der mit Nationalparken verbundene Tourismus einen beachtlichen wirtschaftlichen Beitrag für die Region leisten kann. Damit tragen Nationalparke auch zum Erhalt und zur Entwicklung langfristiger Arbeitsmarktpotenziale bei, ein Faktor der gerade in ländlichen Gebieten ganz wesentlich ist. Die Studie gibt detaillierten Aufschluss über Besucherstrukturen und Motivation von Gästen in den Nationalparken Deutschlands. Die vorliegende Ist-Analyse enthält wertvolle Hinweise für eine nachhaltige Tourismusentwicklung im Umfeld der Nationalparke, die gleichermaßen den Schutzzielen, den Ansprüchen der Gäste und der Wettbewerbsfähigkeit der Schutzgebietsregion gerecht wird.
Die von Nationalparken ausgehenden positiven wirtschaftlichen Effekte durch den Tourismus sind für die politische Diskussion über die Akzeptanz dieses Flächeninstruments sowie die Förderung strukturschwacher Räume von Bedeutung. Die im Rahmen des Vorhabens gewonnenen Daten stellen eine solide Basis dar, um in der Bevölkerung und bei politischen Entscheidungsträgerinnen und –trägern mehr Akzeptanz für Schutzgebiete vor Ort und Naturschutz zu schaffen.


Untersuchung in deutschen Biosphärenreservaten

Die Quantifizierungsmethode ist auch für die Untersuchung deutscher  Bioshärenreservate entsprechend angepasst und genutzt worden. Veröffentlicht wurden die Ergebnisse in einer Studie des Lehrstuhls für Geographie und Regionalforschung der Universität Würzburg im Rahmen des Umweltforschungsplanes des Bundesumweltministeriums.

Die Studie untersuchte anhand von sechs ausgesuchten Gebieten den Stellenwert des Tourismus in deutschen Biosphärenreservaten für die jeweilige regionale Wirtschaft. Das Ergebnis hochgerechnet auf Deutschland: Die 15 UNESCO -Biosphärenreservate zählen jährlich insgesamt rund 65 Millionen Besucher, die einen Bruttoumsatz von knapp drei Milliarden Euro bewirken. Somit leistet der Tourismus in Biosphärenreservaten einen beachtlichen wirtschaftlichen Beitrag für die Regionalwirtschaft. Gleichzeitig ist die erfolgreiche Vermarktung touristischer Angebote ein wertvoller Beitrag, um in der breiten Öffentlichkeit die Marke „UNESCO-Biosphärenreservat“ und das dahinter stehende Programm „Der Mensch und die Biosphäre“ mit seinem modernen Verständnis von Schutz und nachhaltiger Nutzung von Natur und Landschaft bekannter zu machen.

Die Studie zeigt aber auch, dass das Potenzial bei weitem noch nicht ausgeschöpft ist. Gerade Biosphärenreservate mit einer langen Tourismustradition haben bei der nachhaltigen Ausrichtung des Tourismus bzw. Modernisierung der Infrastruktur noch Nachholbedarf. 


Regionalwirtschaftliche Effekte von Tourismus: Integration in das Nationalpark-Monitoring

Nationalparkschild (Bild: B. Engels)
Nationalparkschild Nationalpark Hainich

Im Rahmen des aktuellen  Vorhabens wurden die regionalökonomischen Effekte von drei Nationalparken, für die noch keine empirischen Daten vorliegen, erhoben.

In einem weiteren Schritt wurden die Hochrechnungsergebnisse für den deutschen Nationalpark-Tourismus des vorangegangenen F+E -Vorhabens „Wirtschaftsfaktor Großschutzgebiete“ überprüft. Anhand der empirischen Ergebnisse konnte anschließend eine Aktualisierung der berechneten Kennziffern für Deutschland insgesamt vorgenommen werden.

Aufbauend auf den vorliegenden empirischen Ergebnissen für alle deutschen Nationalparke erfolgte eine tiefer gehende Analyse mittels einer Sensitivitätsanalyse zur Abschätzung der Methode als eigenständiges Monitoringinstrument. Dabei wurden sowohl die Ergebnisse zur Bestimmung der Besucherzahl als auch die aus den Interviews gewonnen Informationen berücksichtigt.

Die Ergebnisse der Analyse der empirischen Daten dienen als Basis für den Entwurf einer Monitoringkonzeption zur Bestimmung der regionalökonomischen Effekte des Tourismus in Nationalparken.

Die Ergebnisse wurden als  BfN-Skript 431 veröffentlicht.

Letzte Änderung: 19.07.2017