Bundesamt für Naturschutz

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Machbarkeitsstudie Welterbe Grüne Band

Hat das Europäische Grüne Band Chancen auf eine Welterbenominierung?


Hintergrund:

Deutschland als Vertragsstaat des   UNESCO -Welterbeübereinkommens hat sich verpflichtet, Natur- und Kulturgüter von "herausragendem, universellen Wert" zu erhalten. Nach Art. 3 des Übereinkommens ist es Angelegenheit der Vertragsstaaten ihre potenziellen Welterbestätten zu identifizieren. Im Rahmen der periodischen Berichterstattung über den Stand der Umsetzung des Welterbeübereinkommens in Deutschland (entsprechend Art. 29 des Welterbeübereinkommens) sind hinsichtlich der Naturwerte in Deutschland Defizite festgestellt worden. Dies spiegelt sich insbesondere in der Ungleichgewichtung von Kulturstätten und Naturstätten (nur drei Naturstätten bei insgesamt 41 Welterbestätten) in der bestehenden deutschen Welterbeliste wider.


Das Projekt:

Im Rahmen der Umsetzung des Welterbeübereinkommens im Bereich Naturerbe berät das BfN das BMUB und unterstützt die Länder bei der Vorbereitung von Nominierungen von Gebieten für die UNESCO -Welterbeliste. Dazu zählen auch Machbarkeitsstudien für potenzielle zukünftige Welterbenominierungen. Im Zuge eines F+E Vorhabens wurde zwischen 2012 und 2014 bewertet, inwiefern das Grüne Band das Potenzial besitzt als UNESCO -Welterbestätte nominiert zu werden.


Das Grüne Band

(Bildautor: K. Leidorf)

Das Grüne Band bezeichnet die historische Natur-und Kulturlandschaft entlang der ehemaligen innerdeutschen und mitteleuropäischen Grenze zwischen Ost und West, dem sogenannten Eisernen Vorhang. Durch die Abgeschiedenheit und geringe Nutzung im ehemaligen Grenzgebiet konnte sich die Natur ungestört entwickeln und ein besonderer Reichtum an größtenteils gefährdeten Spezies und Biotopen erhalten bleiben. Darüber hinaus stellen Überreste der ehemaligen Grenzbefestigung historische Kulturdenkmäler des Kalten Krieges und der einstigen Ost-West-Trennung dar. 


Die Machbarkeitsstudie

In Kooperation mit dem  Institut für Landespflege der Universität Freiburg und der Firma  Agrathear für Strategische Landnutzung wurden in dem zweijährigen Projekt die herausragenden Natur- und Kulturwerte und die damit verknüpften Gebiete des Grünen Bandes in Deutschland und Europa, evaluiert. Vorgegeben durch die Arbeitsrichtlinien der Welterbekonvention wird das Grüne Band unter verschiedenen Aspekten analysiert und global mit ähnlichen Stätten verglichen. Darunter fallen u.a. der herausragende, universelle Wert, die Nominierungskriterien, die Aussage über Integrität (Erhaltungszustand und Naturnähe) und Authentizität sowie Schutz- und Managementmechanismen der zu nominierenden Stätte.


Ergebnisse

Das Vorhaben kommt zum Ergebnis, dass eine Welterbenominierung nur im Rahmen komplexer Nominierungsszenarien realisierbar wäre, die jeweils die Unterstützung weiterer Forschungsarbeiten und einen umfassenden multinationalen Koordinierungsrahmen unter Beteiligung mehrere europäischer Staaten bedürften. Eine Nominierung des deutschen Grünen Bandes allein ist nicht realisierbar, da eine solche die Kriterien für eine Nominierung nicht erfüllen würde.

Die Szenarienentwicklung  mündete in der Formulierung zweier möglicher Nominierungsszenarien (A und B), die jeweils als grenzübergreifende serielle Nominierung ausgearbeitet wurden (d.h. Beteiligung mehrere Staaten mit räumlich getrennten Komponenten). Wie auch das EGB, sind die entwickelten Szenarien stark durch das Grenzsystem des Kalten Krieges und die entstandenen Effekte für die Natur geprägt.

Die Ergebnisse des Vorhabens machen deutlich, dass eine Nominierung des Grünen Bandes aus naturschutzpolitischer Sicht nur unter Berücksichtigung von Naturerbekriterien sinnvoll ist (Szenario A, Nominierung als gemischte Stätte unter Kultur- und Naturerbekriterien). Bei einer Nominierung ausschließlich unter Kulturerbekriterien (Szenario B) muss erwartet werden, dass Naturschutzziele von Zielen des Kulturerbeerhalts überlagert werden. Eine Nominierung unter Szenario A würde einen komplexen multinationalen Nominierungsprozess in Abstimmung mit Akteuren des Kulturerbeschutzes erfordern.

 Vollständige Studie

Weitere Informationen unter:  Das Grüne Band in Europa


Projektinformation:

Laufzeit: 2012-2014

Programm: Forschungs- und Entwicklungsvorhaben

Projektpartner: Universität Freiburg, Institut für Landespflege


Projektmanagement im BfN:

Arbeitsgruppe I 2.3 Internationaler Naturschutz
Kontakt: Barbara Engels ( barbara.engels@bfn.de)