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Anbau transgener HR-Pflanzen mit Resistenz gegen Glyphosat beeinträchtigt die Biodiversität

Hintergrund

Bekämpfung von Unkraut und Schädlingen (Foto: August Falkner)
Auf dem Foto sieht man einen Traktor beim Spritzen eines Feldes.

Eine bestimmte Form gentechnisch veränderter Pflanzen - so genannte transgene Pflanzen mit Herbizidresistenz - liefern keinen durchweg höheren Ertrag als konventionelle Nutzpflanzen. Jedoch reduziert ihr Anbau und das meist eingesetzte Glyphosat die Biodiversität auf dem Acker und beeinträchtigt Böden sowie die Widerstandskraft der Nutzpflanzen.

Dies sind die Ergebnisse einer umfassenden Literaturstudie, die durch das BfN unterstützt und in der Fachzeitschrift Environmental Science Europe veröffentlicht wurde.

Das Projekt

Intensive Landwirtschaft (Foto: Wilhelm Irsch)
Auf dem Foto sieht man drei intensiv bewirtschaftete Felder

So genannte "transgene herbizidresistente Pflanzen" (HR-Pflanzen) sind gentechnisch so verändert, dass sie resistent gegen bestimmte Unkrautvernichtungsmittel (Herbizide), meist Glyphosat, sind. Während diese Breitbandherbizide nahezu alle Beikräuter auf dem Acker abtöten, überleben HR-Pflanzen die Herbizidbehandlung. Im Gegensatz zu konventionellen Nutzpflanzen können Breitbandherbizide daher bei HR-Pflanzen während der gesamten Wachstumsperiode gespritzt werden. Eine HR-Pflanze und das dazugehörige Breitbandherbizid bilden zusammen ein HR-Anbausystem.


In der Literaturstudie, die in Environmental Science Europe veröffentlicht wurde, haben mehrere Expertinnen und Experten, darunter aus dem BfN und vier weiteren europäischen Umwelt- und Naturschutzorganisationen, untersucht, wie sich der Anbau transgener HR-Pflanzen auf die Landwirtschaft und die Biodiversität auswirkt. Dazu haben sie Literatur sowie Erfahrungen aus Ländern, die HR-Pflanzen anbauen, umfassend ausgewertet.


Die Studie kommt zu folgenden Ergebnissen:

HR-Pflanzen liefern keine durchweg höheren Erträge als konventionelle Nutzpflanzen. Jedoch beeinflusst ihr Anbau die Landwirtschaft, die Anbaupraxis und das Beikrautmanagement ("Unkrautkontrolle") und fördert den Verlust der Biodiversität auf verschiedene Weise:

  • Herbizide mit dem Wirkstoff Glyphosat sind - anders als bisher gedacht - giftig für verschiedene Lebewesen im Wasser. Sie beeinträchtigen den Boden, die Widerstandskraft von Nutzpflanzen und auch die Darmflora von Nutztieren.
  • Der Anbau von HR-Pflanzen hat den Fruchtwechsel verringert und dafür eine Beikrautkontrolle befördert, die ganz auf Herbizide setzt.
  • Der wiederholte Anbau von HR-Pflanzen und der intensive Einsatz von Glyphosat haben aber zahlreiche Beikräuter resistent gegen Glyphosat werden lassen. Anders als vielfach empfohlen wurden diese nicht durch Fruchtwechsel und andere Maßnahmen bekämpft, sondern stattdessen durch steigende Herbizidmengen und mehrere Herbizide.
  • Durch den Einsatz von Breitbandherbiziden beim Anbau von HR-Pflanzen nimmt die Menge und Vielfalt an Beikrautpflanzen auf dem Feld stark ab und am Ende als indirekten Effket über die Nahrungskette auch die der Insekten bis hin zu den Vögeln.

Beikräuter nehmen durch Breitbandherbizide stark ab.
Mohn in einem Kornfeld

HR-Pflanzen wie Soja, Mais und Baumwolle werden seit etwa 20 Jahren weltweit besonders in Nord- und Südamerika angebaut, jedoch nicht in der EU. Als gentechnisch veränderte Nutzpflanzen sind in Teilen der EU nur der insektenresistente Mais MON810 zugelassen. Sollten HR-Pflanzen in der EU angebaut werden, wird vorhergesagt, dass auch hier die Menge der verwendeten Unkrautvernichtungsmittel ansteigen wird. Nach Ansicht der Studie können HR-Pflanzen nicht Teil eines nachhaltigen Modells für eine Landwirtschaft sein, die den Rückgang der Biodiversität in der Landwirtschaft stoppen will.

Ausblick

Derzeit sind keine transgenen HR-Pflanzen zum Anbau in der EU zugelassen oder zum Anbau beantragt. Sollte sich dieser Umstand ändern, ist nach dem EU-Gentechnikrecht vor einer Zulassung zu prüfen, wie sich der Anbau gentechnisch veränderter Organismen (GVO) auf Natur und Umwelt auswirkt. Des Weiteren hat sich die Bundesregierung in der Nationalen Biodiversitätsstrategie von 2007 das Ziel gesetzt, dass auch in Zukunft von GVO keine Gefährdung für die biologische Vielfalt, insbesondere in Schutzgebieten, ausgehen soll. Bei einer möglichen Zulassung müssen Biodiversitätsaspekte künftig konsequent berücksichtigt werden.

Da Beikräuter vor allem gegen Glyphosat resistent geworden sind, entwickeln Firmen seit einiger Zeit Pflanzen mit Resistenzen gegen weitere Breitbandherbizide und kombinieren diese. So gibt es HR-Pflanzen die resistent gegen drei Herbizide sind, meist gegen Glyphosat, Glufosinat und ein weiteres Herbizide, darunter auch Dicamba und 2,4-D. Diese Entwicklung führt die intensive Landwirtschaft der letzten Jahre fort. Entsprechend schätzen Experten, dass Glyphosat auch zukünftig der weltweit wichtigste Herbizidwirkstoff bleiben wird.

Fachbetreuung im BfN

Dr. Wolfram Reichenbecher, FG II 3.3

Weitere Informationen

Letzte Änderung: 30.11.2017

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